Wenn Training nur noch Pflicht ist

Es gibt einen Moment, den du kennst, wenn du schon länger trainierst.

Die Tasche ist gepackt.

Du weisst was ansteht.

Die Lust fehlt.

Trotzdem geht es rein ins Fitnessstudio, Wiederholung für Wiederholung, Satz für Satz.

Es tut nicht weh, es fühlt sich aber auch nicht danach an, als ob dieses Training jetzt bahnbrechend wäre.

Für diesen Zustand gibt es ein ziemlich passendes Bild: Krampfadern der Motivation.

Bei einer Krampfader schliessen die Venenklappen nicht mehr sauber.

Das Blut fliesst nicht zurück, es staut sich.

Übrig bleibt Druck ohne Bewegung.

Genau so fühlt sich Training an, das nur noch Pflicht ist.

Die Motivation ist nicht weg.

Sie steht still.

Und Stillstand fühlt sich von innen an wie Faulheit, obwohl es keine ist.

 

Der erste Grund liegt tiefer, als du vermutest.

Motivation ist kein Charakterzug.

Sie ist eine Art "Rechnung" über dein Energiebudget.

Dein Gehirn schätzt laufend ab, ob sich dein Aufwand gerade lohnt.

Aufwand ist für dein Gehirn immer ein Kostenpunkt.

Denn es rechnet in Energie.

Ist die Energie knapp, wird jeder Aufwand teurer bewertet, als er wirklich ist.

Wenn im Hintergrund eine stille Entzündung läuft, dann kippt diese Rechnung.

Diese Übersichtsarbeit hat 2017 zusammengetragen, wie entzündliche Signale die Dopaminfunktion in den Basalganglien dämpfen und damit Antrieb und Bewegungsdrang senken.

Das ist keine Willensschwäche.

Das ist Sparmodus.

Und Sparmodus entsteht selten aus dem Nichts.

Zu wenig Schlaf, zu wenig Kalorien, Dauerstress: Dann läuft dein Stoffwechsel eher über Cortisol und Adrenalin als über echte Energie aus der Zelle.

Der Körper kürzt dann zuerst dort, wo es nicht ums Überleben geht.

Freiwilliges Training steht ganz oben auf dieser Liste.

Der zweite Grund liegt in der Art deiner Motivation.

Teixeira und sein Team haben 2012 insgesamt 66 Studien zu Bewegung und Motivation ausgewertet.

Das Muster war deutlich.

Wer aus eigenem Antrieb trainiert, bleibt dabei.

Wer aus Druck, schlechtem Gewissen oder reiner Pflicht trainiert, hört eher auf.

Spannend ist die Aufteilung.

Der Gedanke "das ist mir wichtig" trägt dich durch die ersten Monate.

Echte Freude an der Sache trägt dich über Jahre.

 

Was heisst das jetzt für dich?

Mehr Disziplin ist nicht die Antwort.

Prüf zuerst die Basis.

Schlaf, Essensmenge (Energieversorgung), Wärme, freie Tage.

Ein Körper mit Energie will sich bewegen, ganz von allein.

Und dann nimm Druck raus, statt ihn zu erhöhen.

Nimm dir eine Woche mit halbem Volumen.

Kürzere Einheiten, weniger Sätze, mehr von dem, was du wirklich gern machst.

Wenn du Kniebeugen hasst und Sprints liebst, dann sprinte.

Kommt danach die Lust zurück, war es nie ein Kopfproblem.

Eine Krampfader wird durch mehr Druck nicht besser.

Sie braucht Bewegung und Entlastung.

Deine Motivation auch.

Liebe Grüsse

Dein Raw Animal Team

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