Der Supplement-WIderspruch

Hallo

Serhad hier, Gründer und Mitinhaber von Raw Animal.

Ich möchte heute ein besonderes Thema ansprechen. Und zwar geht es um generelle Nahrungsergänzungsmittel...

Ihr kennt doch bestimmt alle Bryan Johnson? Er ist der bekannteste Mann der Welt, wenn es um Longevity geht.

Der Typ will nicht einfach gesund sein. Er will das Altern dominieren. Alles messen. Alles kontrollieren. Alles optimieren. Auf seiner aktuellen Blueprint-Seite verkauft er unter anderem Omega-3, Essential Capsules mit Ubiquinol, also der aktiven Form von CoQ10, und einen Longevity Mix, der laut Seite seinen früheren Supplement-Stapel vereinfachen soll. Dieser Mix wird dort sogar als Ersatz für die Zeit beschrieben, in der er über 100 Pillen pro Tag genommen hat.

Und genau da wird es spannend.

Denn Bryan lebt pflanzenbasiert, während seine Routine gleichzeitig wie ein Schaufenster dafür wirkt, welche Nährstoffe der Körper eben doch unbedingt haben will: Omega-3, CoQ10, Magnesium, Vitamin D, B-Vitamine, Zink, Selen und so weiter. Sein System schreit also nach maximaler Kontrolle, maximaler Ergänzung und maximaler Korrektur.

Meine provokative These ist deshalb ganz einfach:

Wenn du erst alles aus deiner Ernährung streichst, um es dir danach in Kapseln, Pulvern und Drinks wieder zusammenzubauen, dann ist das nicht überlegen. Dann ist das ein Umweg.

Genau hier kommt die Animal-Based Perspektive ins Spiel.

Denn wenn du dir anschaust, welche Lebensmittel bei kritischen Mikronährstoffen besonders weit oben stehen, dann tauchen immer wieder tierische Lebensmittel auf. Und zwar nicht zufällig. Eine grosse Analyse in Frontiers in Nutrition kommt zu dem Ergebnis, dass Organe, kleine Fische, Schalentiere, Rind, Eier und Milchprodukte zu den Top-Quellen für mehrere prioritäre Mikronährstoffe gehören. Organe stehen dabei ganz vorne.

Das ist keine romantische „früher war alles besser“-Story.

Das ist schlicht Nährstoffrealität.

Leber ist nicht sexy.

Kapseln mit futuristischem Branding schon.

Aber dein Körper interessiert sich nicht für Branding.

Er interessiert sich dafür, ob er bekommt, was er braucht.

Und noch etwas ist wichtig: Es geht nicht nur darum, dass ein Nährstoff irgendwo enthalten ist. Es geht auch darum, wie gut du ihn aufnimmst. Ein Scoping Review beschreibt, dass tierisches Muskelgewebe in Studien die Aufnahme von Eisen und Zink aus pflanzenbasierten Mahlzeiten steigern konnte (der sogenannte "meat factor"). Gleichzeitig weist ein aktuelles Review zur Mikronährstoff-Bioverfügbarkeit darauf hin, dass Vitamine aus tierischen Quellen im Allgemeinen besser bioverfügbar sind als aus pflanzlichen Quellen und dass Phytat, Polyphenole und Ballaststoffe die Aufnahme mancher Mineralstoffe aus Pflanzen bremsen können.

Und dann wird die vegane Debatte plötzlich viel weniger moralisch und viel mehr biologisch.

Denn in der Praxis zeigt die Literatur ziemlich klar: Vegane Ernährungsweisen können funktionieren, aber sie kommen häufiger mit kritischen Nährstoffen ins Schleudern. Eine systematische Übersichtsarbeit fand bei veganen Ernährungsweisen niedrigere Aufnahmen unter anderem von Vitamin B12, Vitamin D, Jod, Zink, Kalzium und Selen. Die Autoren schreiben ausdrücklich, dass mögliche Defizite bei Vitamin B12, Zink, Kalzium und Selen nicht ignoriert werden sollten.

Vitamin B12 ist das offensichtlichste Beispiel. Das NIH schreibt klar, dass Vitamin B12 in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vorkommt, nicht natürlich in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten ist und Menschen mit vegetarischer oder veganer Ernährung ein höheres Risiko für einen Mangel haben. Fortifizierte Lebensmittel oder Supplements senken dieses Risiko. Nebenbei: 90 Gramm gegarte Rinderleber liefern laut NIH 70,7 Mikrogramm Vitamin B12. Und gefriertrocknet sogar noch viel mehr!

Und genau deshalb stört mich dieses Wellness-Märchen von der "cleanen" veganen Überlegenheit.

Wenn du für perfekte Gesundheit ein Labor, eine Einkaufsliste voller Spezialprodukte und einen Pillen-Organizer brauchst, dann ist das nicht automatisch Fortschritt. Vielleicht ist es einfach nur ein sehr teures Reparatursystem.

Animal Based heisst für mich nicht: iss wahllos alles Tierische und ignoriere den Rest.

Animal Based heisst: hör auf, den Menschen wie ein Chemiebaukasten zu behandeln.

Baue deine Ernährung auf echte Lebensmittel.

Auf hochwertiges tierisches Protein.

Auf Eier. Auf rotes Fleisch. Auf Organe, wenn du es ernst meinst. Auf Früchte. Auf Honig, wenn du ihn verträgst. Auf gut ausgewählte, wenig problematische Pflanzen statt auf ein Ernährungskonzept, das ohne Dauer-Korrektur künstlich am Leben gehalten wird.

Und Lifestyle gehört genauso dazu.

Du wirst nicht gesund, weil du CoQ10 schluckst und dabei jede Nacht zu spät ins Bett gehst.

Du wirst nicht vital, weil du Omega-3 kaufst und gleichzeitig chronisch gestresst bist.

Du wirst auch nicht langlebig, weil du „biohackst“, aber nie Sonne siehst, nie barfuss auf dem Boden stehst, nie richtig trainierst und deinen Stoffwechsel mit Proteinriegeln ruinierst.

Echte Gesundheit ist meistens viel unsexier als das Internet es verkauft:

früher schlafen, morgens Licht, Krafttraining, Schritte, genug Protein, stabile Blutzuckerwerte, echte Nährstoffe, weniger Müll.

Vielleicht ist genau das die unbequeme Wahrheit hinter dem ganzen Longevity-Hype:

Der Körper will nicht 100 Tricks.

Er will die Grundlagen.

Und wenn selbst der berühmteste Anti-Aging-Mann der Welt seine pflanzenbasierte Strategie mit einem Supplement-Turm absichern muss, dann sollte man zumindest die Frage stellen dürfen:

Ist das wirklich die beste Ernährung für den Menschen? Oder nur die beste Ausrede, um echte Lebensmittel durch teure Ersatzlösungen zu ersetzen?

Liebe Grüsse und schönes Wochenende

Serhad

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